Fragen und Antworten zur Straßenbahn in OS
1. In welchem Takt sollte die Straßenbahn fahren?
Der Takt hängt sicherlich sowohl von der Tageszeit als auch vom Linienverlauf ab. Grundsätzlich sollte tagsüber ein 10-Minuten-Takt, wie ihn die Osnabrücker von den Stadtbussen kennen, das Ziel sein. Denkbar wäre aber auch ein 15-Minuten-Takt, der zu Stoßzeiten zu einem 7,5-Minuten-Takt verdichtet wird.
2. Welche Linienzahl wäre empfehlenswert?
Da Osnabrück ein Straßenbahn- bzw. Stadtbahnnetz komplett neu planen und errichten müsste, kann nicht davon ausgegangen werden, innerhalb von fünf Jahren ein umfangreiches Liniennetz mit drei oder mehreren Linien aufzubauen. Das finale Ziel für einen wirtschaftlichen Betrieb wäre sicherlich das Minimum von drei Linien.
3. Welche Linie sollte als erste realisiert werden?
Die erste Linie muss Vorbildcharakter haben und demnach keine kleine Lösung oder ein Testobjekt in einem Stadtteil sein. Ich schlage daher den Bau der Linie 1 meines Netzentwurfes vor, da diese Strecke viele wichtige neuralgische Punkte in Osnabrück abdeckt und interessante Erweiterungsmöglichkeiten bietet.
4. Kosten für den Bau
Allgemein geht man von etwa 10 Mio. € pro km aus. Dieser Durchschnittswert kann aber gerade in Innenstadtabschnitten deutlich überschritten werden. Neben den tatsächlichen Streckenkosten müssen zudem auch die Kosten für die Umgestaltung von Straßen, Versorgungsnetzen oder Ampelanlagen bedacht werden. Eine Straßenbahn selbst kostet je nach Ausführung etwa 2 bis 2,5 Mio. €. Das ist freilich deutlich teurer als ein Bus, doch die "Lebenszeit" einer Tram ist auch ungleich höher. Siehe dazu den Kommentar von Herrn Naumann auf der Startseite.
5. Kommt ein Tunnel in Betracht?
Im Grunde ist Osnabrück für einen längeren Straßenbahntunnel zu klein und die Kosten sind ohnehin zu hoch. Allerhöchstens eine Überlegung wäre ein Tunnel im Bahnhofsbereich. Hier könnte man sich eine Strecke von der Möserstraße kommend vorstellen, die in einem Tunnel den Bahnhof unterquert und dann weiter in den Schinkel oder bis Belm geführt wird. Zu bedenken sind bei Tunnelplänen allerdings nicht nur die Baukosten sondern eben auch die laufenden Betriebskosten (Energieversorgung, Überwachung der Sicherheit usw.)
6. Wie lange kann es dauern, bis Osnabrück wieder eine Straßenbahn hat?
Der Zeitrahmen lässt sich natürlich nicht genau beziffern, vieles hängt davon ab, wie schnell die Politik von dem Nutzen einer Straßenbahn überzeugt werden kann, auch die derzeit leider noch skeptischen Stadtwerke (Verwalten der Busflotte?) müssten für das Thema begeistert werden. Als Ziel kann man sich aber sicher einen Zeitrahmen von 10 bis 15 Jahren setzen.
Der Bau einer kompletten Linie selbst dürfte innerhalb von fünf Jahren möglich sein, Teilabschnitte könnte man vielleicht bereits schon nach drei Jahren eröffnen. Nicht von der Hand zu weisen sind natürlich gerade in der Bauphase erhebliche Beeinträchtigungen des Individualverkehrs (aber Baustellen gibt es in OS ja ohnehin immer).
7. Müssen Autos hinter einer Straßenbahn beim Ein- und Aussteigen immer halten?
Das hängt von der Lage der Haltestelle ab. In engen Straßen, wo die Haltestellen in Straßenlage liegen müssen, kann es sicherlich nötig sein, dass Autofahrer hinter einer Straßenbahn warten müssen. Doch das ist derzeit bei Bussen nicht anders.
8. Gibt es Risiken für Radfahrer durch Gleisrillen?
Die Gefahr besteht sicherlich dort, wo die Straßenbahngleise nicht auf eigenem Bahnkörper geführt werden können. Hier muss aber sicherlich auch ein Lernprozess stattfinden, in anderen Städten mit Straßenbahnen gibt es ja schließlich auch viele Radfahrer.
9. Warum überhaupt eine Straßenbahn? Osnabrück hat doch ein gutes Busnetz!
Das stimmt, doch das Busnetz stößt merklich an seine Grenzen, echte Steigerungen der Passagierzahlen sind nicht mehr zu erwarten. Außerdem kommt hier auch der Umweltaspekt ins Spiel. Mit einem Anstieg der Benzinpreise wird der Bedarf nach ÖPNV sicherlich eher steigen, außerdem ist eine Straßenbahn umweltfreundlicher als ein Bus und verringert innerhalb der Stadt den CO2-Ausstoß.
Erfahrungen zeigen zudem, dass die Passagierzahlen bei Umstellung einer Linie von Busbetrieb auf Straßenbahn bis zu 400% steigen. Fahrkomfort, Zuverlässlichkeit und Unabhängigkeit vom Individualverkehr sind unter anderem die Gründe hierfür.
10. Niederflur- oder Hocheinstieg? Einrichtungs- oder Zweirichtungswagen?
Diese Fragen lassen sich sicherlich erst dann abschließend klären, wenn das finale Netz steht und man sich auf ein Konzept geeinigt hat. Zumindest die erste Frage lässt sich relativ einfach mit einer Niederflurstraßenbahn beantworten, denn die nötigen Hochbahnsteige für Stadtbahnen ohne Niederfluranteil wären nur sehr schwer in das Stadtbild einzubauen, da sie enorm viel Platz benötigen. Eine Niederflurhaltestelle könnte zudem von Bussen mitbenutzt werden und entspräche vom Ausbau im Prinzip schon fast den heutigen Bushaltestellen, die sich ja auch problemlos ins Stadtbild einfügen.
Ob das Netz von Zweirichtungswagen (vorne und hinten mit Führerstand, Türen auf beiden Seiten) oder Einrichtungswagen (Türen nur auf einer Seite) ist schwierig. Die Vorteile liegen aber eher bei Zweirichtungswagen, da sie einfach flexibler einsetzbar sind, denn sie können an jeder Haltestelle enden, wohingegen Einrichtungsstraßenbahnen zwingend eine Wendeschleife benötigen, die wiederum viel Platz kostet. Dafür kosten Einrichtungstrams weniger und bieten mehr Platz.